… wat niees von Otto …

Frappant un explizit
© Von Otto Pötter, Rheine

Duert nich mehr lange un kineene will noch Landarzt sien. Dat is de nie’en Dokters tovull Lauperie. Daoför giff et dann baolle Sprechstunde per Computer. Aower off dat alle guet för de Gesundheit is?
Wat wör dat noch änners, as et de aolle Dokter Klockenbrink hier noch dai. För kranke Lüe wör de guede Mann Dag un Nacht dao, alltiets. Eenzig maol göngdat nich mehr, as he in de Ruuse (in der Eile), up ’n Sprung nao nen Patschenten, üöwer sien eegen Beene strumpelt wör. Oberschenkelhalsbruch. Dao konn he för ne Wiele nu nich mehr mit praxeer’n. Un so sprüng nen Asstenzarzt för em in. Nu sägg man jä wuohl: Ann’re Länner, ann’re Sitten. Dat schinn auk för Ärzte so. Doch dao moss män dör. Nutzt jä doch nix. Den Asstenzarzt wör denn auk so ’n graut Landarztwerks gar nich nich gewuohnt. Un Platt praoten konne he auk nich. Aower auk he moss dao män dör!
Nu wör Leusmann dao jüst dran bi em. Leusmann konn män so iäben noch van’t Hüüsken runner. Un dann göng et auk all: „Guten Tag, Herr Dokter.“ „Guten Tag, Herr … äh ….“ „Leusmann.“ „Richtig, jaja, Herr Preußmann. Etwa noch verwandt mit dem Alten Fritz und seiner Gicht?“ „Nein, so nich. Ich habs mehr mit ’n Darm.“ „Aha, soso. Nun ja, das sind ja auch wahrlich keine schönen Malessen, nicht wahr. Ich sage immer: Zieh’n Se sich warm an, denn die Kälte greift den Darm an!“ Un dao moss he bi lachen.
„Aha“, meinde Leusmann. Dao woll he auk wuohl wat an doon. An lange Unnerbuxen feihlde et em nich. Doch nä. Den Asstenzarzt woll noch mehr von em. So ganz eenfach wör et nu doch wuohl nich. Düt un dat möss noch sien un dann soll he män in vetteihn Dage wier kuemmen. Nu denn.
Vetteihn Dage drup göng dat nu so: „Guten Tag, Herr Dokter.“ „Guten Tag, Herr … äh ….“ „Leusmann.“ „Richtig, jaja, der Preußenmann. Ich seh es schon. Frappant, frappant!“
„Aha. Herr Dokter, wie soll ich das aber nu verstehn?“ „Das werden wir schon seh’n. Nun nehmen Sie doch erst mal Platz, nicht wahr. Wie ich sehe, haben Sie den Stuhl ja gleich mitgebracht.“ „Nu ja, Herr Dokter, das sollt‘ ich doch auch, oder …“
„Explizit, explizit! Also dann zeigen Sie das gute Stück doch mal her. Na … Eindeutig ist das Chippendale.“ „Oh. Doch nix Schlimmes, Herr Dokter?“ „Nun ja, wie man’s nimmt, nicht wahr. Ich sag’s Ihnen frank und frei: Ihr Stuhl hat Würmer.“ „Oh jeminee! Sagen se bloß! Also nein!“ „Jaja, keine schöne Diagnose, aber was will man machen? Drum lassen Sie den Stuhl am besten gleich hier. Wir werden da schon mit fertig. Und Sie werden sehen, wie Sie sich ohne Stuhl auf dem Heimweg gleich schon viel leichter und unbeschwerter fühlen.“ „Das glaub ich gerne, Herr Dokter. Das is ja auch ne Erleichterung, so ohne den harten Stuhl.“ „Sie sagen es, guter Mann, Sie sagen es. Aber bitte nicht vergessen: Immer schön warm, das ist gut für den Darm.“ „Oh ja, auf jeden Fall, da könn’n se drauf an.“
„Sehen Sie. Dann hat das mit uns doch heute gut geklappt, nicht wahr?“ „Das hat’s, Herr Dokter. Oh ja, das hat’s.“ „Schön, schön. Nun ja, und wenn sonst noch was sein sollte, nicht wahr, so kommen Sie gerne wieder. – Also dann: der Nächste bitte!“

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Öhm Henrich un de Kuckuck

© Von Otto Pötter, Rheine

Öhm Henrich uut Freren is de all lange nich mehr. Aower praoten döt man immer noch gerne von em. He harr jä auk vull beleewet. So leip he in’ 1. Weltkrieg all as jungen Sandhasen (Artillerist) för Kaiser, Gott un Vaterland in de wiede Weltgeschicht harüm. He möök an ne 15-Kaliber-Feldhaubitze den Ladeschützen. Oh ja, dao moss he all guet bi up Draoht sien. Drüm wör et auk graut Glück, dat em in Flandern nich Gott weet de noch wat bi passeert is. Eenzig siene Ohren häbt de wat von mitkreegen. Siet de Tiet konn Henrich män schlecht hören. Ansüss aower is he de guet aolt bi wuorden.

So wiet, so guet. Kiek wi nu aower es maol trügge, so in de 1960er Jaohre. Auk wenn Henrich siet Flandern nich vull von de Welt mehr seihn harr, föhrde he doch aff un an giäne schön wuohl Iesenbahn. So auk es maol wier an‘ 13. Juni to Antonius. An düssen Dag harr niämlicks Tons, sienen jüngsten Bruor Naomensdag un Geburtsdag in eens. Dütmaol wör et gar de 75e! Daoför moss Öhm Henrich nu mit nen Pängelanton (Nahverkehrszug) ganz bis nao Wadelheim hento. Doch, et konn nich better, jüst niäben den Bahnhof wohnde Tons met sien‘ Familge.

Nu mott man aower wietten, dat dao dör den Wadelheimsken Bahnhoff immer keggen 11 Uhr 20 met Donnerundoria ’n Bollerjan van D-Zug „Durchfahrt“ harr. Un dao konns män bloß vör laupen gaohn, so göng di dat deher. Aower wat wör so ’n Radau all för Henrich? Siet dat wööste Gedönner an de Feldhaubitze konn an siene Nerven auk den gröttsten D-Zug nich vull mehr kaputt maaken. Kick, dao süht man maol wier, woför so männich Deel in‘ Liäben nich all’s guet noch is.

Bi schön Wiär satt de Geburtsdagsrunde dao nu heel fideel unner de Linde in Tons sienen Gaoren, as up maol dat Höllenspektakel anfüng. Oh Herr mien Huus! As kaim den Deibel uut de Hölle sprungen, bruusede – mit Wulkenfahnen van Damp achter sick her – den D-Zug dör ’n Wadelheimsken Bahnhof. Jö! As wenn de Welt unnergöng! Pött‘ un Pannen klimperden gefäöhrlick in‘ Schapp un up ’n Disk wackelde dat Geschirr män so. Deibel nää, gar een Glas göng debi to Bruch. Godorrie! Heel verjächt (erschrocken) smeeten de Fraulüe de Hande in de Höchte.

Eenzig Öhm Henrich greep sick rechter Hand achter ’t Ohr un tüerde met Glanz up de Aogen lück sietto nao buoben hen in de Ferne; dann schüddelde de Mann verbaast (erstaunt) sienen Glatzkopp un mennde glücksiälig: „Meinee! Noch so schön!! Dat härr ick jä nich dacht, dat ick up miene aollen Dage hier in Wadelheim es maol wier den Kuckuck höre…“

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Antequitätengeschäfte
© Von Otto Pötter, Rheine

Ick weet noch guet, dat bis in de 1960-er Jahren so biättere Pluedenhändlers met graute Anhängers üöwer Land föhrden un bi de Buern för ’n Appel un Ei all’s tesammenkofften, wat van gistern wör: aolle Schäppe, Truhen, Belder, Figuren – egaol, „antik“ moss et sien. De Städtkers gaffen dao guet Geld för. Un de Lüe upt Land konnen sick gar gau genoog nich „modern“ inrichten. Düsse Tieten sünd vörbi. De jungen Lüe haolt et mehr met „Idea“. Hauptsaake praktisch. Wat sollt se auk mit so ’n Hutschenreuter Schnabeltässken? Nä, Antequitäten vandage, dat mott all wat met Kunst sien, süss is dat nich mehr vull demet.
Abels Antequitengeschäft döt et gar mehr so met de christlicke Kunst. Bi so wat giff et dao immer so schöne „außergewöhnliche Angebote“, de ansüss niärns to finnen sind. So wat treck guede Kunnen an, denn dat spreck sind rund. Abels kann denn auk anunförsick nich klagen.
Nu kreeg Abel maol wier nen gueden Tipp. Erben wollen ne aolle Schüer affbriäken. Dao harren se up den Balken noch veer aolle Holtfiguren funnen. Wuohl uut Mooreike, wollen se de nich giän mit up ’n Sperrmüll smieten. Drüm soll dat ’n Fachmann es bekieken. Nu ja, meinde Abel, un dreihde de Figuren so hen un her, veer Euro dat Stück, mehr göng dao bi ’n besten Willen nich för. Un so kreeg he glieks alle veer Figuren för runde 15 Euro.
Schön ’n bettken reinigt, stellde he de Kunstgestalten propper äs „Die vier Evangelisten“ in sien Schaufenster. Naomeddags drup harre he för Johannes all nen ganz frommen Kunden. Aower bloß för denne, weil et – den Kunden nao – bi den christlicken Glauben jüsteto „zentral“ up dat Johannesevangelium ankaim. Kick, dao sägg noch wat. Daoför göng Johannes aower auk för guet Geld alleene weg. Doch wat maaken nu? Halw so wild.
Abel wüss sick to helpen un ännerde dat Schildken up: „Die Heiligen Drei Könige“. Män dao göng et all wier so wunnerlick bi to. Nen Kunden woll bloß den Caspar. Nänä, üm Gott’s Willen nich ’n Kasper, em göng et üm den schwatten Caspar. Jüst in de schwatte „authentische Mooreiche“ harre de et em andoon. Düssen Caspar wör em auk nen Fiefhunnerter wert. Hört, hört! Dao konn Abel nich lange mehr fackeln. Also göng Caspar solo dör de Kasse. Wat aower nu? Nu ja, dann moss et iäben wier ’n nie’et Schildken doon: „Die beiden Apostel Petrus und Paulus“. Ne fiene Dame woll aower pattu bloß den Paulus; denn iähr Mann, dat wör nu maol nen Paul un kienen Petrus. Abel verstönn dat. Un so gaff he iähr „ausnahmsweise“ düssen „einmaligen Paulus“ för mickrige 750 Euro. Aower bloß weil se dat wör! Män as he de Figur uut et Schaufenster nemmen woll, fööl Petrus debi daale. Un batz wör gar de Kopp debi aff! Nämanä, also so wat! Dat gaff nu gar noch ’n Hunnerter extra.
Nich genoog demet, duerde et nich lange, dao stönn in dat Schaufenster von Abels Antequitätengeschäft ne ganz gediegene Figur. Drunner stönn up ’n nettet Schildken: „Eine einzigartige Rarität für nur 1000 Euro: Johannes der Täufer nach seiner Enthauptung.“
So, mehr nu nich mehr …

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